Erhalt der Fruchtbarkeit bei Krebs
Startseite
StartseiteErhalt der Fruchtbarkeit bei Krebs > Behandlung d. Mannes
 

Behandlung des Mannes

Ursachen der Fruchtbarkeitseinschränkung

Kryolagerung von Spermien

Neben einer Schädigung der Keimzellen durch eine Chemotherapie oder einer Strahlentherapie (siehe Grundlagen), kann die Fruchtbarkeit auch durch Operationen im Bereich der Hoden und des Beckens eingeschränkt sein.

Nach operativer Entfernung nur eines Hodens (z.B. nach einer Verletzung, Entzündung oder wegen eines Tumors), kann die Fruchtbarkeit ganz normal sein ohne gravierenden Auswirkungen auf die Produktion der Samenzellen. Wenn beide Hoden operativ entfernt werden müssen, so ist jedoch damit die Fruchtbarkeit definitiv nicht wieder herstellbar. Eine Hormonsubstitution ist in dieser Situation immer notwendig.

Probleme mit der Ejakulation

Nach Lymphknotenentfernungen im Rahmen der Operation eines Hodenkarzinoms oder generell
nach Lymphknotenentfernung im Bereich des kleinen Beckens kann es zur Beeinträchtigung der Ejakulation kommen. Die Nerven des N. Sympathicus, welche den Ablauf des Samenergusses steuern, liegen als feines Nervengeflecht über der Hauptschlagader des Bauchraums, welche direkt im Operationsgebiet liegt. Dank moderner schonender Operationstechniken ist die Verletzung dieses Nervengeflechtes seltener geworden, sie lässt sich aber in manchen Fällen nicht vermeiden. Bei geringen Schädigungen der Nervenfasern kommt es zu einer „falschen Ejakulation“, bei der die Samenflüssigkeit in die Harnblase und nicht in die Harnröhre gelangt. Bei einer schweren Schädigung kommt es zum Verlust der Ejakulationsfähigkeit. Das Problem ist bei erhaltener Orgasmusfähigkeit also, dass eine natürliche Zeugung nicht mehr möglich ist, weil die Samenflüssigkeit nicht nach außen gelangt. Man nennt dieses Phänomen auch „trockene Ejakulation“.

Auch die Entfernung der Prostata oder der Blase können zu einem Verlust der Ejakulationsfähigkeit führen. Bei Kinderwunsch kann dieses Problem aber mit Hilfe der Fortpflanzungsmedizin überwunden werden. Neben Medikamenten, die eine regelrechte Ejakulation in manchen Fällen ermöglichen, gelingt es heute, die Samenzellen entweder aus dem Hodengewebe direkt, oder aus dem Urin (bei „falscher Ejakulation“ in die Blase) zu isolieren und dann für eine „künstliche Befruchtung“ einzusetzen.

 

Therapeutische Möglichkeiten des Fruchtbarkeitserhalts

Anlegen eines Samendepots

Für Männer besteht schon seit vielen Jahren die Möglichkeit, Spermien vorsorglich einzufrieren. Vor Beginn der gonadotoxischen Behandlung kann in reproduktionsmedizinisch tätigen Zentren durch möglichst mehrere Samenspenden ein Depot angelegt und eingefroren (kryokonserviert) werden. Der Spermiogrammbefund zeigt besonders bei Hodenkrebs – aber auch bei Leukämien und Lymphomen, bedingt durch die Schwere der Erkrankung - oftmals schon vor der Chemotherapie eine eingeschränkte Fruchtbarkeit.

Es ist dennoch immer sinnvoll, den Samen einzufrieren, da die Krebserkrankung zu diesem Zeitpunkt keine Nachteile für die Nachkommen hat und hierdurch kein erhöhtes Krebsrisiko für das Kind nach dem zukünftigen Auftauen gegeben ist.

Falls zu einem späteren Zeitpunkt und bei bestehendem Kinderwunsch nachgewiesen wird, dass keine eigenen Spermien mehr vorhanden sind, so kann mit Hilfe von Maßnahmen der künstlichen Befruchtung auf das zuvor angelegte Depot zurückgegriffen werden.

Einfrieren von Spermien aus dem Hodengewebe (TESE)

In den kleinen Kanälen des Hodengewebes werden Spermien produziert und bereits dort gelangen sie durch teilweise abgeschlossene Reifungsprozesse zur Befruchtungsfähigkeit. In manchen Fällen ist das Anlegen eines Samendepots durch die Samenspende nicht möglich, z.B. weil die Ejakulationsfähigkeit in Mitleidenschaft gezogen ist. In dieser Situation kann alternativ das Einfrieren von Hodengewebe in Erwägung gezogen werden. Hierzu ist eine Hodengewebeentnahme erforderlich. Es werden für diese Prozedur mehrere reiskorngroße Proben operativ entnommen und nach einem schonenden Einfrierprozess in Flüssigstickstoff gelagert. Für den Fall, dass es notwendig werden sollte, auf das Depot zurückzugreifen, kann eine Zeugung mit Hilfe der künstlichen Befruchtung (IVF/ICSI) vorgenommen werden.
Diese Methode ist gut etabliert, die Erfolgswahrscheinlichkeit hängt allerdings davon ab, ob sich zum Zeitpunkt des Einfrierens genügend befruchtungsfähige Spermien im Hodengewebe befinden.

Fremdsamenspende

Für den Fall, dass keine eigenen Spermien vorhanden sind, darf in der BRD unter strikter Einhaltung der juristischen Bedingungen Samen eines Spenders auf die Ehefrau/Partnerin übertragen werden.

Medikamentöse Methoden

Bei Hodentumorpatienten konnte durch die Verabreichung von Gonadotropin-Releasing-Hormonen, die ähnlich wie bei Frauen theoretisch einen Schutz der Samenzellen bewirken sollten, keine Wirkung gezeigt werden.